Foundry VTT läuft auf deinem Rechner, die Welt ist vorbereitet, die Karte geladen. Nur deine Spieler sitzen nicht in deinem Wohnzimmer, sondern zu Hause an ihren eigenen Rechnern. Damit sie deinen virtuellen Spieltisch erreichen, müssen ihre Browser durch deinen Router hindurch zu deinem Foundry-VTT-Server gelangen. Genau dafür ist eine Portfreigabe da.
In diesem Ratgeber erklären wir, was eine Portfreigabe ist, was sie für Foundry VTT bedeutet, wo die typischen Stolpersteine liegen und welche Wege es gibt, ganz ohne sie zu spielen.
Vorab, ganz deutlich: Wir raten davon ab, für Foundry VTT eine Portfreigabe im Heimnetz einzurichten. Mit einer Portfreigabe öffnest du dein privates Netzwerk für Zugriffe aus dem gesamten Internet. Die folgenden Abschnitte beschreiben das Vorgehen nur allgemein, damit du verstehst, worauf du dich einlässt. Wenn du dich trotzdem dafür entscheidest, tust du das auf eigene Verantwortung. Wir übernehmen keine Verantwortung für Schäden, Datenverluste oder Sicherheitsprobleme, die durch eine Portfreigabe entstehen.
Was eine Portfreigabe ist und warum Foundry VTT sie braucht
Dein Router hat zwei Gesichter. Nach außen, zum Internet hin, hat er eine öffentliche IP-Adresse, die dir dein Internetanbieter zuteilt. Nach innen vergibt er an jedes Gerät in deinem Heimnetz eine eigene, lokale Adresse, zum Beispiel an deinen PC, dein Handy oder deinen Fernseher. Von außen ist nur der Router sichtbar, die Geräte dahinter nicht.
Verbindungen, die du selbst startest, etwa beim Aufruf einer Webseite, lässt der Router problemlos durch und leitet die Antworten an das richtige Gerät zurück. Eine Verbindung, die von außen kommt, weist er dagegen ab, weil er nicht weiß, für welches Gerät sie bestimmt ist. Das ist eine sinnvolle Schutzfunktion.
Foundry VTT ist aber genau so ein Dienst, den andere von außen erreichen sollen: Der Spielleiter startet den Server, die Spieler verbinden sich mit ihm. Eine Portfreigabe (auch Port-Forwarding oder Portweiterleitung genannt) ist die Regel im Router, die sagt: „Alles, was von außen auf Port X ankommt, leite an diesen einen Rechner im Heimnetz weiter.“
Foundry VTT verwendet standardmäßig den Port 30000 über das Protokoll TCP. Über diesen einen Port laufen sowohl die Webseite, die deine Spieler im Browser öffnen, als auch die laufende Verbindung, über die Würfelwürfe, Token-Bewegungen und Chatnachrichten in Echtzeit übertragen werden. Den Port kannst du in den Einstellungen von Foundry VTT ändern.
Bevor du anfängst: Voraussetzungen prüfen
Viele Anleitungen springen direkt zur Router-Oberfläche. Dabei scheitert die Portfreigabe oft schon an Dingen, die du vorher klären kannst.
Hast du überhaupt eine öffentliche IPv4-Adresse?
Das ist die wichtigste Frage. Viele Kabel- und Glasfaseranschlüsse, aber auch manche DSL-Anschlüsse, laufen heute über sogenanntes DS-Lite (Dual-Stack Lite) oder eine vergleichbare Technik, bei der sich mehrere Kunden eine öffentliche IPv4-Adresse teilen. In diesem Fall gibt es für dich keine eigene IPv4-Adresse, auf die eine Portfreigabe zeigen könnte. Die Regel im Router lässt sich dann zwar anlegen, sie hat aber keine Wirkung.
Ob du betroffen bist, erkennst du meist auf der Übersichtsseite deines Routers: Steht dort bei der IPv4-Verbindung ein Hinweis auf DS-Lite oder eine Adresse aus einem privaten oder geteilten Bereich, hast du keine eigene öffentliche IPv4-Adresse. Manche Anbieter stellen auf Nachfrage um, oft nur gegen Aufpreis oder in einem anderen Tarif.
Eine feste lokale Adresse für den Foundry-Rechner
Die Portfreigabe zeigt auf eine bestimmte lokale Adresse. Vergibt der Router deinem Rechner nach einem Neustart eine andere Adresse, läuft die Freigabe ins Leere. In den meisten Routern kannst du festlegen, dass ein Gerät immer dieselbe lokale Adresse bekommt.
Rechner, Strom und Upload
Dein Foundry-VTT-Server ist nur erreichbar, solange dein Rechner läuft und Foundry VTT gestartet ist. Willst du deinen Spielern erlauben, zwischen den Sitzungen ihre Charakterbögen zu pflegen, muss der Rechner rund um die Uhr laufen. Dazu kommt die Upload-Geschwindigkeit: Jede Karte, jedes Bild und jede Musikdatei muss von deinem Anschluss an jeden einzelnen Spieler übertragen werden. Bei einem typischen Heimanschluss ist der Upload deutlich langsamer als der Download und wird schnell zum Flaschenhals. Mehr dazu findest du in unserem Artikel Gedanken zum Self-Hosting.
Der Ablauf im Überblick
Noch einmal zur Erinnerung: Wir raten davon ab und übernehmen keine Verantwortung, wenn du diesen Weg gehst. Router, Betriebssysteme und Anschlüsse unterscheiden sich stark, deshalb beschreiben wir hier nur die Schritte, nicht die einzelnen Menüs.
1. Port in Foundry VTT prüfen
Schau nach, welcher Port in deiner Foundry-VTT-Konfiguration eingetragen ist. Wenn du nichts geändert hast, ist es 30000.
2. Freigabe im Router anlegen
In der Oberfläche deines Routers gibt es meist einen Bereich mit Namen wie „Portfreigabe“, „Port-Forwarding“ oder „Freigaben“. Dort wählst du den Rechner aus, auf dem Foundry VTT läuft, und gibst Port 30000 und das Protokoll TCP an. Viele Router fragen zusätzlich nach einem externen Port; der kann derselbe sein.
3. Firewall auf dem Rechner
Auch die Firewall deines Betriebssystems kann eingehende Verbindungen blockieren. Beim ersten Start von Foundry VTT fragt das System oft, ob die Anwendung Verbindungen annehmen darf. Ob dabei auch Verbindungen aus dem Internet erlaubt werden, hängt von den Einstellungen ab.
4. Einladungslink an die Spieler
Foundry VTT zeigt dir im laufenden Spiel einen Dialog mit Einladungslinks: eine lokale Adresse für Spieler in deinem Heimnetz und eine Internet-Adresse für alle anderen. Die Internet-Adresse besteht aus deiner öffentlichen IP-Adresse und dem Port. Diese Adresse gibst du an deine Spieler weiter.
5. Von außen testen
Ein Test aus deinem eigenen Heimnetz sagt nichts aus, weil die Verbindung dann gar nicht über das Internet läuft. Teste stattdessen von einem Gerät außerhalb, etwa mit dem Handy im Mobilfunknetz und ausgeschaltetem WLAN.
Typische Probleme
Die Spieler sehen nur eine Fehlerseite. Häufigste Ursachen: Der Anschluss hat keine eigene öffentliche IPv4-Adresse (siehe DS-Lite), die Freigabe zeigt auf eine veraltete lokale Adresse, die Firewall blockiert oder Foundry VTT läuft schlicht nicht.
Gestern ging es noch, heute nicht mehr. Bei den meisten Privatanschlüssen ändert sich die öffentliche IP-Adresse regelmäßig, zum Beispiel nach einer Zwangstrennung oder einem Neustart des Routers. Der alte Einladungslink funktioniert dann nicht mehr. Abhilfe schafft ein Dienst für dynamisches DNS, der einen festen Namen immer auf deine aktuelle Adresse zeigen lässt. Das ist allerdings ein weiterer Baustein, den du einrichten und pflegen musst.
Nur IPv6 verfügbar. Bei DS-Lite hast du in der Regel eine öffentliche IPv6-Adresse. Theoretisch lässt sich Foundry VTT darüber erreichen, praktisch müssen dann aber auch alle deine Spieler IPv6 nutzen können, und die Freigabe im Router funktioniert anders als bei IPv4.
Automatische Freigabe per UPnP. Manche Anwendungen können sich über UPnP selbst eine Portfreigabe im Router einrichten. Wir raten davon ab, UPnP im Router zu aktivieren: Dann kann jedes Programm in deinem Heimnetz ohne Rückfrage Türen nach außen öffnen.
Ruckeln und lange Ladezeiten. Funktioniert die Verbindung grundsätzlich, laden große Karten aber quälend langsam, liegt es meist am Upload deines Anschlusses. Kleinere Bilddateien helfen, lösen das Problem aber nicht grundsätzlich.
Sicherheit: Was du mit der Freigabe öffnest
Mit der Portfreigabe ist dein Rechner aus dem ganzen Internet erreichbar, nicht nur für deine Spieler. Automatisierte Scanner durchsuchen ständig das Netz nach offenen Ports. Im Artikel Gedanken zum Self-Hosting haben wir beschrieben, warum ein Node.js-Dienst wie Foundry VTT nicht ohne vorgeschalteten Schutz im Internet stehen sollte. Kurz zusammengefasst:
- Keine Verschlüsselung ohne Zertifikat. Ohne eigenes SSL-Zertifikat läuft die Verbindung unverschlüsselt über HTTP, also auch Passwörter. Foundry VTT kann zwar mit einem Zertifikat betrieben werden, das musst du aber selbst besorgen, einrichten und erneuern.
- Kein Schutzschild davor. Im professionellen Betrieb steht vor einer Anwendung ein Reverse Proxy, der Anfragen filtert und die Verschlüsselung übernimmt. Bei einer einfachen Portfreigabe fehlt diese Schicht.
- Dein Heimnetz hängt mit dran. Der Rechner mit Foundry VTT steht im selben Netz wie deine anderen Geräte. Wird er angegriffen, ist der Weg zu NAS, Smart Home oder Arbeitslaptop kurz.
Wenn du die Freigabe trotzdem einrichtest, setze mindestens ein starkes Administrator-Passwort für Foundry VTT, vergib Passwörter für alle Spieler-Accounts, halte Foundry VTT aktuell und entferne die Freigabe im Router, wenn ihr nicht spielt.
Foundry VTT ohne Portfreigabe: die Alternativen
Die gute Nachricht: Du musst dein Heimnetz nicht öffnen, um mit deiner Gruppe Foundry VTT zu spielen.
Ein privates virtuelles Netzwerk (VPN)
Mit einem VPN-Dienst für private Netzwerke verbinden sich du und deine Spieler zu einem gemeinsamen virtuellen Netz. Foundry VTT ist dann nur für die Teilnehmer erreichbar, nicht für das ganze Internet. Der Haken: Jeder Spieler muss eine zusätzliche Software installieren, sich anmelden und sie vor jeder Sitzung starten. Das Problem mit dem Upload und dem Rechner, der laufen muss, bleibt.
Tunnel-Dienste
Tunnel-Dienste stellen von deinem Rechner aus eine Verbindung zu einem Server im Internet her und leiten die Zugriffe deiner Spieler darüber zu dir weiter. Weil die Verbindung von innen nach außen aufgebaut wird, brauchst du keine Portfreigabe, und auch DS-Lite ist kein Hindernis. Dafür bist du von einem weiteren Dienst und dessen Bedingungen abhängig, und dein Rechner bleibt trotzdem aus dem Internet erreichbar.
Foundry VTT hosten lassen
Der bequemste Weg ist, Foundry VTT gar nicht erst im Heimnetz laufen zu lassen. Bei unserem Foundry VTT Hosting läuft deine Instanz, bei uns Sphäre genannt, auf Servern in Deutschland, rund um die Uhr und ohne dass du an deinem Router etwas ändern musst. Vor jeder Sphäre steht ein Reverse Proxy, der die verschlüsselte Verbindung übernimmt.
So kommen deine Spieler an den Tisch: Sobald deine Sphäre eingerichtet ist, bekommst du als Spielleiter eine E-Mail mit dem Link zu deiner Sphäre, einer eigenen Subdomain. Diesen Link gibst du an deine Spieler weiter. Sie öffnen ihn im Browser, müssen nichts installieren und brauchen keine Portfreigabe. Die Spieler-Accounts legst du wie gewohnt in deiner Welt an.
Du brauchst dafür nur deine eigene Foundry-VTT-Lizenz. Alle Tarife findest du auf der Seite Preise, und du kannst jede Sphäre 14 Tage kostenlos testen. Antworten auf weitere Fragen, etwa zu Lizenz, Spielsystemen, Updates und Backups, findest du in unseren FAQ.
Fazit
Eine Portfreigabe für Foundry VTT ist technisch möglich, aber sie öffnet dein Heimnetz für das ganze Internet, scheitert bei vielen modernen Anschlüssen schon an DS-Lite und bringt Folgearbeit mit sich: wechselnde IP-Adressen, fehlende Verschlüsselung, ein Rechner, der laufen muss. Wir raten deshalb davon ab.
Wenn du deine Zeit lieber in Abenteuer, Karten und Nichtspieler-Charaktere steckst als in Router-Menüs, ist eine gehostete Sphäre der einfachere Weg. Wie es danach weitergeht, liest du in unserem Artikel zur Einrichtung der Sphäre.